Eine Galerie voller Helden, und die spannendste Frage ist die nach dem Kostüm: Was trägt jemand, der für die Nachwelt als Vorbild dastehen soll? Diese Führung im Bode-Museum nimmt die Kleidung in der Heldengalerie genau unter die Lupe.
Hinter den Figuren steckt ein echter Streit. Um 1800 wurde in Preußen öffentlich und leidenschaftlich darüber diskutiert, wie ein Kriegsheld der friderizianischen Zeit dargestellt werden soll – in antikem Gewand, in zeitgenössischer Uniform, nackt wie ein Feldherr auf einem römischen Relief? Die Debatte fiel in eine Epoche militärischen Niedergangs, was die Frage politisch auflädt. Die Führung zeigt, welche Antworten die Bildhauer gefunden haben, und was die Gewänder heute noch erzählen.
Im zweiten Teil wird es praktisch. Mit Papier-Anziehpuppen entwerfen die Teilnehmer*innen ein eigenes Outfit für ein offizielles Porträt. Das ist schneller erzählt als entschieden: Sobald man selbst aussuchen muss, ob Uniform, Alltagskleidung oder Fantasiekostüm die bessere Botschaft sendet, versteht man die Diskussion von 1800 besser als über jede Erklärtafel.
Die Heldengalerie gehört zur Skulpturensammlung, die im Bode-Museum zusammen mit dem Museum für Byzantinische Kunst und dem Münzkabinett untergebracht ist. Die Kombination aus Betrachten und eigenem Entwerfen macht den Termin auch für Leute interessant, die bei reinen Vorträgen unruhig werden.
Der Abend ist Teil der Reihe „Lange Donnerstage“, mit der das Bode-Museum ab Oktober 2026 das Thema Porträt und Selbstdarstellung durchspielt – von Kaisermünzen über Renaissance-Büsten bis zum Kanzlerinnen-Porträt.
Tipp
Eine Woche vorher diskutieren ein Stylist und eine Kunsthistorikerin im selben Haus das Kanzlerinnen-Porträt von Angela Merkel – die beiden Termine ergänzen sich.