Ein Kaiserporträt, kaum größer als ein Daumennagel, millionenfach verbreitet: Römische Münzen waren Zahlungsmittel und Staatsmedium in einem. Diese Führung im Münzkabinett des Bode-Museums nimmt sie als Bildquelle ernst.
Im Mittelpunkt steht der Umbau des Kaisertums vom Prinzipat des Augustus zum Dominat ab Diokletian, der von 284 bis 305 nach Christus regierte. Mit der Herrschaftsform ändert sich das Bild: Aus dem ersten Bürger unter Bürgern wird eine abgehobene, fast sakrale Figur. Ablesen lässt sich das an Haltung, Schmuck, Insignien und an der Schrift, die das Porträt umgibt.
Gezeigt werden neben regulären Münzen auch Vielfache, sogenannte Multipla, und Medaillone. Solche Stücke waren kein Wechselgeld, sondern kaiserliche Geschenke an verdiente Gefolgsleute – die largitio. Wer sie bekam, trug ein politisches Zeichen am Körper. Ausgangspunkt der Führung ist die Dauerausstellung des Münzkabinetts, das mit mehreren Hunderttausend Objekten zu den größten Sammlungen seiner Art zählt.
Der Abend richtet sich an Interessierte mit Lust auf Detail und an alle, die Antike lieber an Objekten als an Jahreszahlen erklärt bekommen. Er ist Teil der Reihe „Lange Donnerstage“, mit der das Bode-Museum ab Oktober 2026 abends ein Programm zum Thema Porträt und Selbstdarstellung zeigt.
Das Münzkabinett ist eine von drei Sammlungen im Bode-Museum, neben der Skulpturensammlung und dem Museum für Byzantinische Kunst. Wer nach der Führung weitergeht, findet die Porträtlinie in Marmor und Holz fortgesetzt.